Recycling-Kunstwerk ziert die Fassade der Klimaerlebniswelt
GOATed!
28.10.2026Wer in diesen Tagen an der Klimaerlebniswelt im Urland vorbeikommt, dürfte erst einmal staunen: Zwei riesige Ziegen blicken von der Fassade den vorbeilaufenden Besuchern entgegen. Wer genauer hinsieht, erkennt noch einen zweiten Grund zum Staunen: Fell aus alten Autoreifen, Körper aus Plastikschrott, Stoßstangen und anderen ausrangierten Gegenständen. Was auf den ersten Blick wie eine überdimensionale Tierskulptur aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als faszinierendes Puzzle aus Müll.
Geschaffen hat es der portugiesische Künstler Artur Bordalo, besser bekannt als Bordalo II. Er ist weltweit für seine sogenannten „Big Trash Animals“ bekannt, riesige Tierreliefs, die vollständig aus achtlos weggeworfenem Abfall entstehen. Nun haben zwei seiner ungewöhnlichen Geschöpfe auch im Urland ein Zuhause gefunden.
Müll oder wertvolle Ressource?
Was für andere Abfall ist, wird für Bordalo II zum Ausgangspunkt seiner Kunst. Die beiden Ziegen bestehen ausschließlich aus gesammeltem Zivilisationsmüll. Der Künstler setzt die unterschiedlichsten Fundstücke so zusammen, dass daraus erstaunlich lebendige Tierfiguren entstehen.
Doch hinter der ungewöhnlichen Materialwahl steckt mehr als künstlerische Experimentierfreude. Bordalo II stellt eine einfache Frage: Warum werfen wir so viele Dinge weg, obwohl sie noch einen Wert haben? Seine Arbeiten zeigen, wie sich scheinbar nutzlose Materialien neu verwenden lassen, und veranschaulichen auf kreative Weise das Konzept der Kreislaufwirtschaft.
Warum ausgerechnet Ziegen?
Auch die Wahl der Tiere ist kein Zufall, denn Ziegen sind historisch eng mit der Region Lippe verbunden. Im Urland werden sie heute unter anderem zur Beweidung und damit zur Landschaftspflege eingesetzt. Sie tragen auf natürliche Art und Weise zur Erhaltung der vielfältigen Lebensräume der Sinethi bei.
Die beiden Ziegen bestehen aus genau jenen Materialien, die in der Natur zunehmend zum Problem werden. Kunststoffe aller Art und andere Abfälle belasten weltweit unsere Ökosysteme und gefährden die Artenvielfalt. Mit seinen ausgefallenen Skulpturen macht Bordalo II diesen Widerspruch sichtbar: Selbst Abfall hat noch einen Wert, und sei es für Kunst.
Ein ungewöhnlicher Kontrast
Der Standort des Kunstwerks ist für die Aussage des Kunstwerks besonders relevant, denn während die beiden Ziegen aus den Überresten unserer Konsumgesellschaft bestehen, erstreckt sich rund um die Klimaerlebniswelt eine Landschaft, in der Natur- und Klimaschutz die zentrale Rolle spielen.
Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich die beiden Ziegen bei einem Besuch im Urland genauer ansehen.
Ermöglicht wurde das Kunstwerk durch die Fördermaßnahme „Grüne Infrastruktur“, die Natur, Klimaschutz und moderne Kunst miteinander verbindet.